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Weltenbummlerin in Sachen Hockey

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Die Argentinierin Paulina Carrizo ist mit 23 Jahren schon weit herumgekommen – als Torhüterin und Journalistin.

Paulina Carrizo - Torhüterin der 1. Damen Hockeymannschaft im 1. Hanauer THC e.V.

Als sie per Mail das Angebot aus Hanau erreichte, hat Paulina Carrizo erst einmal einen Augenblick gestutzt. „Dritte Liga klang nicht gerade nach einer großen sportlichen Herausforderung“, sagt die Torhüterin, die in Argentinien zum erweiterten Kader der U21-Nationalmannschaft gehörte. Doch mittlerweile sind die anfänglichen Zweifel an ihrem Engagement beim 1. Hanauer THC verflogen: „Ich bin überrascht, auf welchem Niveau in der Regionalliga in Deutschland Hockey gespielt wird.“ Das Lob gilt vor allem ihren Mannschaftskameradinnen, die dafür sorgten, dass sie als Torfrau in den bisherigen Spielen nicht übermäßig viel zu tun bekommen habe, sagt die 23-Jährige beim Besuch in der Redaktion des HA.

Sie ist nicht nur gekommen, um über ihren Sport zu sprechen. Ihr Interesse gilt auch der Arbeit der HA-Redakteure. Denn Paulina Carrizo ist auch gleichzeitig Journalistin. Im November vergangenen Jahres beendete sie ein Journalistik-Studium an der Universität ihrer Heimatstadt Tucumán im Norden Argentiniens. Tucumán galt viele Jahre als das Armenhaus des Landes, wenngleich die Region sich in den vergangenen Jahren gemausert habe, berichtet sie. Als Hockey-Talent hat man es dennoch nicht leicht, sich in dem Flächenstaat Argentinien durchzusetzen. Denn Buenos Aires ist von ihrer Heimat eine zweitägige Busreise entfernt. Und wer es in ihrem Land im Sport zu etwas bringen möchte, der muss in die Hauptstadt. Denn dort befinden sich alle wichtigen Verbände und auch die Trainingszentren. Währen die Asociación de fútbol argentina (Afa) ein eigenes Sportzentrum unterhält, teilen sich alle anderen Sportarten das zweite große Zentrum der Stadt. Dort trainierte Carrizo einige Monate hart, um es in den erlauchten Kreis der selección, der Nationalmannschaft, zu schaffen.

Hockey-Boom in Argentinien

Dass sie am Ende den ganz großen Sprung nicht geschafft hat, sieht sie heute gelassen. Denn bei einigen großen Turnieren war sie dennoch dabei. Nicht zwischen den Pfosten, sondern auf den Presserängen. Für ein Sport-Internet-Portal berichtete Carrizo von den Juniorenweltmeisterschaften in Amsterdam und auch von den Olympischen Spielen in London. Hockey, besonders das Damen-Hockey, erlebt am Rio de Plata gerade eine Boomphase, nachdem die Damen-Nationalmannschaft sich 2010 vor eigenem Publikum in Rosario den Weltmeistertitel gesichert hatte. „Die Nationalspielerinnen sind bei uns zu Hause richtige Stars geworden“, erzählt Carrizo.

Die Spielerinnen aus dem Land des Weltmeisters sind daher im Ausland besonders begehrt. Vermittelt werden sie auf einem Internetportal, wo THC-Trainer Christoph Helm auf die Torhüterin aus Tucumán aufmerksam wurde. Als Spielerin ist es bereits das zweite Engagement in Europa. Im vergangenen Jahr war sie drei Monate lang für bei einem Club auf den Kanarischen Inseln unter Vertrag. Für Carrizo war der Aufenthalt wie in einem Traum. „Wir wohnten in einem Apartment direkt am Strand, und unser Alltag bestand nur aus Freizeit und Hockey.“ Sie hätte in Spanien auch länger bleiben können, doch Priorität genoss trotz der optimalen Bedingungen auf den Inseln ihr Abschluss an der Universität.

Diesmal will sie länger in Europa bleiben. Mindestens ein Jahr wird Carrizo das Tor der Grün-Schwarzen hüten. Der Start war für die Südamerikanerin hingegen alles andere als einfach. Denn vom Sommer der Südhalbkugel ging es direkt ins winterliche Hanau. Keine leichte Übung für die Argentinierin, der nicht nur die klimatischen Verhältnisse zu schaffen machte. Sie musste sich auch erst einmal mit der Mentalität ihres Umfeldes anfreunden. Dass ihre Mannschaftskameradinnen gleich nach Training oder Spiel ihre eigenen Wege gehen, war für Carrizo zunächst schwer zu begreifen. „In Tucumán ist der Club so etwas wie eine zweite große Familie“, erzählt sie. Dort bildeten die Spielerinnen nicht nur auf dem Platz, sondern auch nachher eine Einheit. „La tercera parte“, die dritte Halbzeit, war im Clubleben mindestens genauso wichtig wie die ersten beiden auf dem Spielfeld. Man habe nach dem Sport zusammen gegessen und sich dann auch gemeinsam ins Nachtleben gestürzt – meist in Begleitung der Jungs aus den Herrenteams.

Doch auch bei den Mädels in Hanau bewege sich langsam was, sagt sie schmunzelnd. Ihre Wohnung, die sie mit ihrer argentinischen Teamgefährtin Noelia di Mateo teilt, ist so etwas wie ein beliebter Anlaufpunkt der Mannschaft geworden. Dass sie mit ihrer argentinischen Teamgefährtin zusammenlebt, sei der deutschen Sprache, die sie unbedingt erlernen möchte, nicht gerade förderlich. Doch sei es praktisch und auch günstiger. Denn Reichtümer lassen sich im Hockey schließlich nicht verdienen. Carrizo legt jeden Euro beiseite, den sie verschmerzen kann. Denn in der Sommerpause steht eine große Europarundreise auf dem Programm. Im Juni erwartet sie ihre beste Freundin Eugenia. „Eine begnadete Violonistin“, sagt Carrizo, die selbst Gitarre spielt. Als Straßenmusikantinnen wollen sie fünf Wochen den Kontinent bereisen: Barcelona , ihre Lieblingsstadt, Rom und andere Städte stehen auf dem Programm.

Rechtzeitig zum Saisonbeginn, verspricht sie, sei aber dann wieder zurück im Wilhelmsbader Kurpark.

Holger Weber (Hanauer Anzeiger)

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