Rede und Antwort stand die THC-Torhüterin im HA-Interview
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| „Kurze Ecken mag ich nicht“ |
Auf Kulturreise: Die argentinische THC-Torhüterin Nazarena Maria
Seit zwei Monaten sorgen die argentinischen Neuzugänge Nazarena Maria und Noelia Mateo beim Regionalligisten THC Hanau für internationales Flair. Während Mateo bis zum Herbst in der Goldschmiedestadt bleibt, muss Maria zwei Wochen nach der am 16. Februar zu Ende gehenden Hallen-Saison wieder zurück nach Südamerika.
Die 21-jährige Torhüterin studiert in ihrer Heimatstadt Tucuman Psychologie. In dem Ort nahe der bolivianischen Grenze lebt sie zusammen mit ihren beiden Geschwistern und ihrer Mutter. Ihr Vater ist vor etwas mehr als zwei Jahren gestorben. „Er hätte sicher gewollt, dass ich diese Möglichkeit wahrnehme. Er ist selbst gerne gereist“, sagt die Studentin, die bei einer in Maintal-Hochstadt wohnenden Gastfamilie lebt. Dass sie sich zusammen mit Freundin Noelia Mateo in der Hockey-Weihnachtspause noch einen Kurztrip nach England gegönnt hat, unterstreicht die Reiselust der jungen Argentinierin. HA-Mitarbeiter Achim Dürr hat sich mit Nazarena Maria über ihre ersten Eindrücke beim THC und in Deutschland unterhalten. Nach knapp zwei Monaten, haben Sie schon erste Eindrücke über die als „fleißig“ und „kalt“ geltenden Deutschen gesammelt? Nazarena Maria: „Da kann ich nur sagen, dass ich diese Behauptungen noch nicht festgestellt habe. Bisher habe ich die Leute hier als sehr freundlich und äußert hilfsbereit kennen gelernt. Da ist keiner, der sich einfach wegdreht, wenn man ihn beispielsweise auf der Straße etwas fragt. Aber fleißig sind die Deutschen schon.“ Wieso? Maria: „Naja, bei uns in Argentinien wird nicht rund um die Uhr gearbeitet. Hier wird den ganzen Tag gearbeitet, es gibt Essen dann und dann, alles ist geregelt. Das ist in Argentinien anders, da wird auch mal nachts um zwölf Uhr erst gegessen und mal richtig Pause gemacht.“ Stört Sie das hektische Leben hier? Maria: „Nein, das ist eben nur anders. Ich denke, in Deutschland leben die Menschen viel organisierter. Da hat alles seinen Platz und seine Zeit. Das ist schon gut so.“ Was hat Ihre Mutter gesagt, als Sie ihr erzählten, nach Deutschland zu gehen? Maria: „Als ich per Mail erfahren habe, dass es wohl mit dem THC klappt, habe ich ihr das von meinem Zimmer aus in die Küche zugerufen. Da hat sie die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und als es dann feststand, sind Tränen geflossen. Naja, ich bin ja jetzt auch das erste Mal in Europa. Aber meine Mama hat mich letztlich dann doch unterstützt.“ Wie klappt das mit der Verständigung, sie sprechen kein Deutsch? Maria: „Mit Händen und Füßen und dann natürlich in Englisch. Mittlerweile ist es ein Mix aus allem und manchmal im Spiel vor Aufregung auch oft in Spanisch. Aber ich lerne. Das ist ja auch ein Grund warum ich hier sein wollte, um Sprache und Kultur kennen zu lernen.“ Nur in Südamerika, heißt es, versteht man es so richtig Party zu machen. Können wir Deutschen da überhaupt mithalten? Wie war das nach den beiden ersten Saisonsiegen? Maria: „Das ist hier nicht viel anders, vielleicht weniger ausgelassen. Ein bisschen gefeiert haben wir nach den Spielen schon, aber so richtig, das wird noch kommen.“ Kommen wir zum Sport. In Argentinien wird kaum in der Halle gespielt. Wie ist das für Sie? Maria: „Da musste ich mich gewaltig umstellen. Das ist alles viel, viel schneller. Du bist als Torhüterin fast pausenlos gefordert, brauchst mehr Konzentration, musst schneller reagieren. Mittlerweile macht es mir aber riesigen Spaß und ich komme ganz gut zurecht. Ich trainiere auch die Torhüterinnen beim THC und gehe zudem noch ins Training der Jugend B, um mich zu verbessern.“ Was mögen Sie am Hallenhockey nicht? Maria: „Ich kann diese kurzen Ecken nicht leiden. Da liegt der Ball, alles steht und wartet, das macht mich richtig verrückt. Und dann muss ich rausrennen, wie eine Verteidigerin gegen den Mann spielen. Das ist nicht unbedingt mein Ding, auch wenn ich es so langsam hinbekomme. Außerdem kriegst du in der Halle viel mehr Gegentore, das kannte ich nicht. Hier heißt es viel schneller abhaken und weiter. Das ist im Feld selbstverständlich anders, auch von der Psyche her.“ Wenn Sie im Februar nach Argentinien zurückfliegen, nehmen Sie dann den Gedanken mit, wieder nach Hanau zurückzukehren? Maria: „Auf jeden Fall will ich wiederkommen. Ich bin sogar richtig eifersüchtig auf Noelia, dass sie bis Sommer bleiben darf und ich nach Hause muss.“ Quelle: Hanauer Anzeiger vom Mittwoch, 9. Januar 2013, Seite 13
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